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    1. Treffen der Bürgerinitiative erfolgreich

    By Redaktion | März 1, 2010

    Mit überwältigender Mehrheit wurde auf dem 1. Treffen der Bürgerinitiative “Rettet die Poppelsdorfer Allee”ein Bürgerantrag an die Stadt auf den Weg gebracht, der die Verhinderung der Methadon-Praxis in der Poppelsdorfer Allee zum Ziel hat. Gleichzeitig wird die Stadt gebeten, eine geeignete Stelle zu suchen, damit diesen Menschen geholfen werden kann.

    Begründung:

    Auf dem Treffen, das in den Räumen der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes stattfand, fand unter der Leitung von Herrn Dietrich Kleppi ein reger Meinungsaustausch zwischen mehr als 100 Bürgern statt. Herr Dr. Lichtermann, der die Methadonpraxis bei der Stadt beanstragt hat (ursprünglich 150, laut letzem Antrag 100 Patienten pro Tag), wurde Gelegenheit gegeben, seine Position ausführlich darzulegen. Er sieht KEINERLEI Gefahren, die von dem Betrieb in der Poppelsdorfer Allee ausgehen. Auch sagt er, dass von seinen Patienten keine Spritzen genutzt werden. Er verglich die Behandlung mit der Behandlung eines Patienten, der zu hohen Blutdruck hat. Prof. Dr. Klemens Dieckhöfer verwies als Mediziner und Fachmann zu Recht auf den wissenschaftlich längst bewiesenen Beikonsum, der vielfall auftritt.  Dies wurde von Herrn Dr. Lichermann bestritten. Angeblich sind alle seine Patienten integriert und völlig unproblematisch.
    Darauf angesprochen, dass der General-Anzeiger über herumliegende Spritzen in der Cassiusbastei und andere Missstände berichtet hat, antwortete er, dies sei unbewiesen und eben der Generalanzeiger. Unbestritten ist jedoch, dass Herr Dr. Lichtermann im Gegensatz zu anderen Einrichtungen schon oft für Ärger gesorgt hat.

    Auch sein eigener Patient widerlegte ihn, indem er öffentlich darauf hinwies, dass es bei Herrn Dr. Lichtermann durchaus schwarze Schafe gebe. In einem Gespräch nach der öffentlichen Sitzung sagte er, dass vieles von dem, was Herr Dr. Lichtermann sagt, nicht zutreffe.

    Von den Parteien waren Vertreter der CDU (Hr. Weskamp und Hr. van Dorp) anwesend. Ebenso vertreten waren die FDP sowie die Grünen. Es fehlte die SPD. Während CDU und FDP die Bürgerinitiative unterstützen, war Herr Dr. Jobst (Die Grünen) – Kollege von Herrn Lichtermann – anderer Meinung. Eine Ansiedlung in der Poppelsdorfer Alle wäre unproblematisch, alles andere Stimmungmache und Polemik. Kein Wort über die wirkliche Gefährdung, kein Wort über Beikonsum und kein Wort über die möglichen Spritzen auf der Poppelsdorfer Allee.

    Herr Kleppi hat Herrn Dr. Lichtermann schließlich gefragt, ob er einen anderen Standort – z. B. in einem Krankenhaus – annehmen würde. “Nein, schließlich habe ich hier schon investiert” (und zwar vermutlich über 1 Mio Euro zzgl. Umbau). Obwohl alle seine Klienten angeblich völlig unproblematisch sind, ließ sich Herr Dr. Lichtermann nicht auf den Vorschlag einer Vertragsstrafe für den Fall nachgewiesener Missstände ein.

    Der Bürgerantrag wurde nicht nur (bei 1 Gegenstimme und und 2 Enthaltungen) von den Versammlungsteilnehmern unterstützt. Unterlegt wird der Antrag mit einer Liste (“Wir sind dagegen”), die bis zum Ende der Veranstaltung bereits mehr als 600 Unterschriften aufwies. Weitere Unterschriften werden noch gesammelt.

    Um ein möglichst vollständiges Meinungsbild zu gewinnen, bitte wir alle Bürger Bonns, an der hier angebotenen Online-Abstimmung mitzuwirken.

    Themen: Allgemein | 22 Kommentare »

    22 Responses to “1. Treffen der Bürgerinitiative erfolgreich”

    1. sachkundiger Bürger Says:
      März 2nd, 2010 at 16:05

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      ich kann Ihre Sorgen bezüglich der Ansiedelung einer Methadonpraxis in der Poppelsdorfer-Allee nicht teilen. Ich wohne seit vielen Jahren in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Standort der Methadonpraxis “Café Ersatz” von Herrn Dr. Lichtermann in der Dietkirchenstraße. Durch die Ansiedelung seiner Praxis hat sich seinerzeit hier nichts verändert. Weder häuften sich Spritzenfunde, noch wurde der “Erholungswert” der sehr ruhig gelegenen Dietkirchenstraße gemindert. Auch befinden sich drei Kindergärten, im Umkreis von jeweils ca. 250 Metern, um den ehemaligen Praxisstandort. Von diesen sind zu keiner Zeit Beschwerden, die mit der Anwesenheit der Praxis und dem dazugehörigen Klientel erklärt werden können, zu mir vorgedrungen.

      Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass den Drogenabhängigen geholfen werden muss. Bei der Wahl eines geeigneten Standortes sollte auch auf deren Bedürfnisse eingegangen werden. So ist zum Beispiel eine verkehrgünstige Lage unabdingbar. Ein Faktor, der auf die Poppelsdorfer-Allee zutrifft.

      Herr Dr. Lichtermanns Behauptung, dass seine Klienten gesellschaftlich integriert sind kann ich nur unterstützen.

      Wer sich dies nicht vorstellen kann, sollte sich ein persönliches Bild der Methadonpraxis machen sollte. Er würde überrascht sein, was für “normale”, gesellschaftlich integrierte Menschen hier ein uns aus gehen.

      Viele freundliche Grüße
      Sachkundiger Bürger

    2. Redaktion Says:
      März 2nd, 2010 at 17:33

      Guten Tag, als sachkundiger Bürger sollten Sie eigentlich den Mut haben, eine Emailadresse anzugeben. Bitte informieren Sie sich über die Fakten. Selbst ein Patient von Dr. Lichtermann hat auf der Veranstaltung sowie danach darauf hingewiesen, dass die Schilderungen von Dr. Lichtermann nicht zutreffen. Unter gut ausgebildeten Medizinern – Wissenschaftlern der Uni Bonn – ist bekannt, dass Beikonsum die Regel ist (Polytox). Was die verkehrsgünstige Lage betrifft, so ist dieser Standort eher sehr schlecht. Nur in der 1. Hälfte gibt es eine Bushaltestelle. Sollte die Praxis Wirklichkeit werden, so werden wir demnächst nicht nur eine Bundesstadt, sondern auch eine Drogenstadt sein.
      Übrigens: Auf eine Vetragsstrafe hat sich Dr. Lichtermann nicht eingelassen. Auch einen anderen Standort – mit Unterstützung der Stadt – will er nicht wählen, schließlich habe er ja hier investiert. Beides spricht für sich. Wie kann man nur so rücksichtslos gegenüber Kindern/ Familien/ älteren Menschen sein? Dass das DRK dagegen ist, spricht für sich.

      Viele Grüße

      Fam. Gemmel

    3. sachkundiger Bürger Says:
      März 3rd, 2010 at 16:57

      Sehr geehrte Familie Gemmel,

      ich habe meine Emailadresse nicht angegeben, da es relativ fahrlässig ist diese arglos preis zu geben (Spam etc.).

      Polytoxikomanie ist ein allseits bekanntes Phänomen und nicht nur gut ausgebildeten Wissenschaftlern der Uni Bonn bekannt. Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass Polytoxikomanie wahrscheinlich nicht alle Patienten einer Substitutionspraxis betrifft, allenfalls einen geringen Bruchteil. Weiters möchte ich darauf hinweisen, dass man nicht jeden Beikonsum als Polytoxikomanie “abstempeln” sollte: möglicherweise handelt es sich bei den meisten Patienten von Herrn Dr. Lichtermann um Mischkonsum, den ich als weit weniger “dramatisch” einschätzen würde als die allgemeine und vor allem plakative Benutzung der Vokabel “Polytoxikomanie”.

      Rein subjektiv betrachtet empfinde ich eine Entfernung von ca. 100 Metern zum Hauptbahnhof Bonn (wo die Poppelsdorfer-Allee beginnt) als relativ verkehrsgünstig.

      Ihre Aussage:
      “Sollte die Praxis Wirklichkeit werden, so werden wir demnächst nicht nur eine Bundesstadt, sondern auch eine Drogenstadt sein.”
      kann ich an dieser Stelle nicht verstehen. Laut Zeitungsbericht wurde in der Bürgerversammlung am Montag ein Alternativstandort vorgeschlagen. Liegt dieser etwa außerhalb der Stadtgrenzen Bonns? Zudem würde ein aktueller Standort nur verlagert werden – es würden keine zusätzlichen “Junkies” durch den Umzug der Praxis nach Bonn kommen.

      Auch die Tatsache, dass Herr Dr. Lichtermann sich nicht auf den Vorschlag einer Vertragsstrafe einlässt kann ich nachvollziehen: ich würde ebenfalls nicht die Verantwortung für ein Individuum übernehmen, mit welchem ich nicht direkt verwandt bzw. befreundet wäre und lediglich eine geschäftliche Beziehung pflege. Würden Sie anders handeln?

      Auch Ihr Kommentar:
      “Wie kann man nur so rücksichtslos gegenüber Kindern/ Familien/ älteren Menschen sein?”
      ist für mich nicht nachvollziehbar! Kinder / Familien / ältere Menschen leben an jeden innerstädtischen Standort in Bonn. Für mich wirkt das wie der Versuch eine 2-Klassen-Gesellschaft zu etablieren, in der die Bewohner der Poppelsdorfer-Allee die erste Klasse darstellen und von der Praxis verschont werden sollen und einer zweiten Klasse außerhalb der genannten Strasse, die die Ansiedelung der Praxis wohl vertragen kann.

      Fakt ist, dass die Drogenabhängigkeit, wie sie in der geplanten Praxis behandelt wird, in Deutschland als Krankheit anerkannt ist und deshalb die Therapie auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. ich denke, dass das DRK der gleichen Meinung ist.

      Viele Freundliche Grüße
      Sachkundiger Bürger

    4. Redaktion Says:
      März 3rd, 2010 at 17:16

      Guten Tag, spätestens wenn die Spritzen auf der Poppelsdorfer Allee/ den Grünflächen liegen werden, was der Fall sein wird (sonst könnte man ja eine Vetragsstrafe akzeptieren – schließlich gibt es nach Hr. Dr. Lichtermann keinerlei Beikonsum), können Kinder nicht mehr auf den Grünflächen spielen. Selbiges ist mir von Bekannten, die eine Methadonpraxis neben sich haben, bestätigt worden. Abgesehen davon gibt es schon in der Quantiusstr. eine gute Versorgung, die wir absolut akzeptieren. Man kann nicht behaupten, dass die Stadt Bonn wenig für die Drogenabhängigen unternimmt. Bei der Praxis in der Poppelsdorfer Allee jedoch geht es um rein wirtschaftliche Interessen. Ein zentraler Alternativstandort wurde von Hr. Dr. Lichtermann auf der Bürgerversammlung kompromisslos abgelehnt. Das Nimby-Argument ist hier fehlerhaft. Wer schützt eigentlich die Kinder? Oder ist heute alles erlaubt, auch wenn es andere gefährdet?
      Viele Grüße
      Fam. Gemmel

      P. S. Es ist – wenn Sie andere Blogs lesen – bei Diskussionen üblich, seine Emailadresse anzugeben, schon aus reiner Höflichkeit oder zumindest seinen Nachnamen.

    5. D. Lichtermann Says:
      März 4th, 2010 at 20:24

      Sehr geehrte Familie Gemmel,

      da Sie schon den Begriff “NIMBY” (not in my backyard; das Sankt-Florians-Prinzip) ansprechen: schauen Sie sich doch bitte einmal folgendes Video an:

      http://www.icaatnimbyvideo.info/

      Darin wird Ihnen an einer der ältesten Substitutionsambulanzen in New York City deutlich gemacht, dass Sie mit Ihren – allerdings irrationalen – Ängsten nicht allein sind: während etablierte Behandlungseinrichtungen völlig unauffällig in ihr Umfeld eingepasst sind, macht sich das “NIMBY”-Phänomen weltweit und regelmäßig bei Bekanntwerden neuer Einrichtungen bemerkbar. Ich empfehle Ihnen, darin nicht nur die Kommentare der Profis (z.B. des deutschsprachigen Dr. Robert Newman) sorgfältig anzuhören, sondern auch die der betroffenen Patienten. Es besteht im Übrigen für die hiesigen überhaupt kein Grund, warum sie nicht wie jeder andere Bürger auch an der von Ihnen zu Recht gelobten Schönheit der Poppelsdorfer Allee teilhaben sollten. Alles Andere wäre jedenfalls ein glatte Stigmatisierung der betreffenden Mitbürger, wie sie früher mal jeden psychisch Kranken traf; heute leider immer noch Suchtkranke. Der gilt es entgegenzuwirken – schade, dass der ältere Fachvertreter der Psychiatrie in Ihrer Versammlung da sein Berufsethos so beredt schweigen ließ.

      Mit freundlichen Grüßen

      Dr. D. Lichtermann

    6. Redaktion Says:
      März 4th, 2010 at 21:39

      Sehr geehrter Herr Dr. Lichtermann,

      vielen Dank für Ihre Mitteilung. Sie canceln die Ängste der Anwohner und anderen Bonner Bürger als irrational ab. Ihr eigener Patient vertrat jedoch auf der Versammlung der Bürgerinitiative eine durchaus andere Auffassung… So hat er beispielsweise von “schwarzen Schafen” auch in Ihrer Praxis gesprochen. Im Gespräch mit einer DRK-Schwester bekräftigte er nochmals, dass nicht alles so unproblematisch sei wie Sie es darstellten.

      Gerne darf ich darauf verweisen, welche Erfahrungen im Umfeld einer Praxis schon gemacht wurden: http://www.rettet-die-poppelsdorfer-allee.de/news/2010/03/03/kommentar-eines-burgers/ . Die dann zu erwartenden Spritzen in den Grünanlagen, die von Kleinkindern täglich genutzt werden, sind definitiv eine Gefahr. Sie allerdings sagen, dass dies im Umfeld Ihrer Praxis nicht auftauche (obwohl der GA anderes berichtete), haben sich aber dennoch nicht auf eine Vertragsstrafe eingelassen. Gleichwohl geht gerade von dem Beikonsum, der wissenschaftlich nachgewiesen ist, eine hohe Gefahr aus. Können Sie – in der Nähe eines Kindergartens – folgende Situation ausschließen http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1179897779718.shtml ? Von Spritzen geht eine Gefahr aus, dem stimmen Sie mir doch als Mediziner sicher zu. Ich bin dafür, dass Drogensucht behandelt wird, jedoch ist Ihr Standort denkbar ungeeignet. Wir setzen uns dafür ein, dass die Stadt Ihnen einen guten Standort anbieten wird, dies ist auch der Kern des Bürgerantrags. Insofern gilt hier eben nicht das St. Florians Prinzip, da wir uns für eine Lösung einsetzen, die auch Ihren Patienten zu Gute kommt. In unseren Backyards sind übrigens schon zahlreiche Hilfsangebote, so dass der Begriff NIMBY wohl nicht zutrifft.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Familie Gemmel

    7. Kommentar von Dr. Lichtermann | Rettet die Poppelsdorfer Allee Says:
      März 4th, 2010 at 22:21

      [...] Redaktion bei 1. Treffen der Bürgerinitiative erfolgreichD. Lichtermann bei 1. Treffen der Bürgerinitiative erfolgreichDorothea F. Voigtländer bei Bürgerantrag um 15.30 Uhr erfolgreich abgegebenStadtverordneter Nico [...]

    8. prosub Says:
      März 5th, 2010 at 09:42

      okay herr dr. lichtermann, wenn ihre patienten, so wie sie sagen, intergriert sind, warum müssen sie dann jeden tag in ihre praxis kommen? Als lichtermann patient hat man keine motivation ohne beigbrauch zu sein, da man sowieso wie ein schwerstabhängiger behandelt wird, egal ob clean oder mit beigebrauch. “take home” (mitgabe bis 7 tage) ist in der praxis lichtermann ein fremdwort. sie lassen die patienten auf kosten der allgemeinheit jeden tag antanzen und verdienen sich damit dumm und dämlich. kein wunder, dass man sich eine immobilie für 1 mio leiseten kann.
      überdenken sie mal ihr konzept!

    9. D. Lichtermann Says:
      März 5th, 2010 at 20:01

      Sehr geehrter Diskussionsteilnehmer “prosub”,

      Ihrem Nickname entnehme ich, dass Sie dieser Behandlungsform ansonsten positiv gegenüberstehen. Ich stimme Ihnen zu, dass die Möglichkeit, das Medikament auf Rezept mit nach Hause zu nehmen, eigentlich eine wichtige Errungenschaft darstellt. Sie wissen aber bestimmt, wie sehr gerade in Bonn das die Behandlung öffentlich in Misskredit gebracht hat: immer wieder wird kritisiert, dass sich das in der Drogenzene gehandelte Methadon aus dieser Mitgabe speist. Dieses Problem ist zwar eigentlich winzig im Vergleich zu dem, was im Kern eine Drogenszene gedeihen lässt: die massenhafte Verfügbarkeit des illegalen Heroins – und nicht von Substitutionsnmitteln! – auf der Straße. So bedauerlich unsere “Generalprävention” – keine regelmäßige Mitgabe – nun ist; zumindest kann man unsere Praxis nicht in diese Schmuddelecke stellen. Dafür haben wir sicher mehr als andere immer darauf geachtet, dass unsere täglichen Abläufe glatt sind und die Zumutung der täglichen Behandlung erträglich bleiben. Und auch deshalb sollte unsere Praxis in einer attraktiven, gut erreichbaren Gegend sein, und nicht in einem abgelegenen, finsteren Hinterhof.

      Mit freundlichen Grüßen

      D. Lichtermann

    10. Lechner Says:
      März 6th, 2010 at 13:34

      Sehr geehrter Herr Dr. Lichtermann.
      Wenn alles so eitel Sonnenschein ist, warum müssen Sie dann die Cassiusbastei verlassen? Der zweite Wachmann, die besorgten Kollegen, alles Unfug?
      Bonn ist nicht New York. Ein hippes Werbevideo einer New Yorker Praxis hilft uns hier nicht weiter.
      Eine weitere Stelle für Drogensüchtige in Bahnhofsnähe zieht Betroffene aus dem ganzen Umland an. Wer hat daran finanzielles Interesse? Ist nicht eine dezentrale Lösung mehr im Sinne der Betroffenen?

      Mit besten Grüßen

      Lechner

    11. D. Lichtermann Says:
      März 6th, 2010 at 15:53

      Sehr geehrte(r) Frau / Herr Lechner,

      ob wir die Cassiusbastei verlassen müssen, ist noch längst nicht gesagt. Bezeichnenderweise hat der Richter eine Beweisaufnahme über die behaupteten Vorfälle abgelehnt. Auch hat sich kein einziger besorgter Kollege an unsere Praxis gewandt, was doch Wunder nimmt, wenn es denn so schlimm um uns bestellt sein sollte. Nein, die Befürchtungen sind hier wie da immer die gleichen, und da zitiere ich nochmal Dr. Newman, einen der Gründerväter der Behandlung, aus dem Video der Baron von Rothschild – Stiftung: die Leute unterliegen einfach dem Zerrbild vom Junkie mit Spritze und Nadel in der einen und Pistole in der anderen Hand. Ignoriert wird, dass Substitutionsbehandlung Drogenszenen verkleinert und nicht vergrößert; die wissenschaftliche und praktische Evidenz ist riesig, dass damit Beschaffungskriminalität enorm zurückgeht. Auffällig ist aber nur der Teil der Betroffenen (etwa die Hälfte), der nicht in Behandlung steht. Die anderen sind mitten unter Ihnen, fallen aber nicht auf: die Bäckereifachverkäuferin, bei der Sie Ihre Brötchen holen; der Schreiner, der Ihnen gerade die Küche eingebaut hat; die Erzieherin, die Ihre Kinder in der KiTa betreut (jawohl!); die Reinigungskraft in Ihrem Haushalt oder Büro – Sie würden staunen, wenn einer von denen Ihnen mal eröffnen würde, dass er mit Methadon ein ganz normales Leben führt. Und noch eine Rechnung an der Stelle, die die Wahrnehmungsverzerrung der Öffentlichkeit deutlich macht: wir haben hier in Bonn etwa 900 Behandlungsplätze. Wieviele Szeneangehörige stehen denn nun an einem Tag mit schönem Wetter am Busbahnhof? Wenn’s hoch kommt, vielleicht 60. Substitutionsbehandlung erreicht etwa jeden zweiten Opiatabhängigen; d.h., etwa 30 dort müssten in Behandlung sein – das wären gerade mal 3-4% der in Behandlung befindlichen! Und doch so augenfällig viele … die anderen 870 sieht man eben nicht. Jenen 60 Alternativen zu bieten, ist Aufgabe der von der Stadt bei Caritas und VfG beauftragten Straßensozialarbeiter, deren gar nicht leichte Aufgabe unseren hohen Respekt verdient.
      So verhält es sich also mit dem “observer bias” und den angstgesteuerten, aber eben falschen Schlussfolgerungen, die daraus in der Öffentlichkeit gezogen werden. Die bisher so aufgeregte Debatte hätte wahrlich weniger Emotionalität und mehr Sachkunde nötig.
      An anderer Stelle teilte ich schon mit, dass 95,5% unserer Patienten Bonner Bürger sind. Sie haben sicher recht, dass eine dezentrale, szeneferne Lage für jeden Betroffenen von Vorteil ist; und daher wird diese Behandlung ja auch in einer ganzen Reihe von Arztpraxen und Ambulanzen in Bonn angeboten und eben nicht nur beim VfG. Berufstätige bevorzugen natürlich eine zentrale und gut erreichbare Lage. Insofern war die Poppelsdorfer Allee eben eine bewusste und keine Zufallswahl.

      Mit freundlichen Grüßen

      D. Lichtermann

    12. Horst Koch Says:
      März 6th, 2010 at 21:44

      zum Disput:
      Der “Sachkundige Bürger”, der hier als Anonymus auftritt, sollte wissen, dass er Herrn Dr. Lichtermann in den Verdacht stellt, sich selbst auf diesem Wege eine zusätzliche Stimme zu verleihen. Er sollte sich deshalb besser mit offenem Visier für die Praxis an dieser Stelle einsetzen und Herrn Dr. Lichtermann im Hinblick auf den angezeigten Verdacht entlasten.

      zum Sachverhalt:
      Es ist auch einem Arzt erlaubt, geschäftstüchtig zu sein. Um ein gutes Geschäft geht es hier ja wohl mindestens auch.
      Es gibt aber gute Gründe für ein sensibles Vorgehen bei der Wahl des Standortes. Ein solcher Anlaufpunkt verändert sehr merklich das gesamte Wohnumfeld.
      Es mag einem Expertensteit überlassen bleiben, wie viele der Patienten zusätzlich spritzen oder zusätzlich zu den Spritzen Methadon nehmen.
      Die Probleme sind in mehreren Beiträgen schon angesprochen.
      Eine veränderte Kriminalitätsstatistik in solchen Bereichen, insbesondere das Auftreten von Beschaffungskriminalität, aber auch Gewaltkriminalität, ist nicht einfach zufällige statistische Häufung sondern ist Folge des besonderen Milieus, das sich in einem solchen Umfeld entwickelt.

      Es ist richtig, dass die Praxis in zentraler Lage mittels ÖPNV gut erreichbar sein soll. Deshalb ist die Verlagerung in ein Gewerbegebiet nicht die richtige Lösung im Interesse der Patienten. In jeder Innenstadt gibt es aber genügend Zonen, in denen überwiegend öffentliches Leben angesiedelt ist ( Büro- und Verwaltungsgebäude, Lager, Verkehrsbereiche usw ). Dies kommt auch dem Bedürfnis vieler Patienten nach Anonymität eher entgegen.
      Wohnstraßen sind aus vielen Gründen völlig ungeeignet. Ich will dazu Gesagtes nicht wiederholen.

      Verfahren:
      Es wäre gut gewesen, die Entscheidung über die Wahl des Standortes nach Einbeziehen sachkundiger Behörden wie Ordnungs- und Gesundheitsamt der Stadt Bonn, der Polizei, aber auch nach Einbeziehen der ansonsten betroffenen Einrichtungen und der Menschen zu treffen.
      Nachdem dies nicht geschehen ist, ist es jetzt wichtig und richtig, das Versäumnis nachzuholen und eine gemeinsame Lösung bei Berücksichtigen der Interessen der Patienten, der Bonner Bürger und derjenigen von Herrn Dr. Lichtermann, sowohl der berufungsorientierten als auch der geschäftlichen, zu erarbeiten.

      Ich wünsche viel Erfolg.

      Horst Koch

    13. aXXL Says:
      März 8th, 2010 at 11:32

      In Deutschland ist es derzeit sehr trendy die Eröffnung von Vergabestellen für Methadon oder Diamorfin präventiv durch Bürger-Initiativen zu blockieren. Meistgenannte Gründe: Angst um die Kinder, Angst vor wirtschaftlichen Einbußen, Angst vor dem Reputationsverlust des sozialen Umfeldes.
      Niemand will sie – die Süchtigen, die Außenseiter, die Polytoxicomanen. Insbesondere will man nicht, dass die eigenen Kinder eines Tages selbst in den Sog von Substanzabhängigkeit und gut organisierter Kleinkriminalität gezogen werden, weil es dokumentieren würde, dass die elterliche Erziehung auf ganzer Linie komplett versagt hat. Erziehung, die heutzutage oftmals mit unterstützenden Hilfsmitteln wie Nikotin und Alkohol stattfindet, weil sonst die Alltagsstress-Bewältigung nicht funktioniert. Erziehung, welche die Kiddies eisern darauf trimmt, sich möglichst frühzeitig der Abhängigkeiten erzeugenden TV-, PC-, Games-, (competitive) Shopping- und Moneymake-
      Anforderungsspirale unterzuordnen, damit sie ja nicht auf andere schiefe Bahnen geraten, auf denen mit sonstigen Drogen gehandelt wird. Erziehung, die den Kindern vermittelt, dass die “Junkies” stets die schlechten sind – alle! – und derlei Abschaum um Gottes Willen ja nicht das Lebensgefüge der vorgeblich abstinenzorientierten Saubermänner aus gehobener Bürgerschicht tangieren möge.

      “AUS DEN AUGEN – AUS DEM SINN”, das scheint der sich schnell als Bumerang erweisende Grund- und Kerngedanke hinter dieser vertreibungsambitionierten Biederbürgerfassadenfront zu sein, die Kranke ausgrenzen, abschieben und geradezu ghettoisieren will, damit der der eigene Nachwuchs sich ebenso wenig wie man selbst mit den ausgeprägten Schwachstellen bundesdeutscher Drogenpolitik befassen muss.
      Das eigentliche Problem ist mE jedoch nicht der Fortbestand der Poppelsdorfer Allee als beschauliche Wohngegend – sondern es ist vielmehr der Fortbestand an bürgerlicher Verdrängungs- und (geradezu) Ausrottungsmentalität gegenüber einer Klientel, der man hinsichtlich ihres Suchtverhaltens absolutes Eigenverschulden anlastet.

      Mobilität ist hierzulande im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung ebenso trendy wie die Verhinderung von Ersatzstoff-Ausgabestellen. Den betroffenen P.A.-Familien steht, falls sie sich auch weiterhin nicht mit den Realitäten eines grandios gescheiterten BtM-Gesetzes und seinen überaus sozialschädlichen Auswirkungen auseinandersetzen wollen, aber immerhin noch die Möglichkeit eines Umzugs in gut gesicherte und ständig überwachte Gegenden offen, in denen keine Kanülen wie Tretminen herumliegen. Es sei ihnen jedoch mit auf den Weg gegeben, dass sich statistisch gesehen aus solcherlei Umfeld auch ein nicht unerheblicher Anteil an Süchtigen und schließlich Substitutionswilligen rekrutieren wird. Vielleicht sogar aus der eigenen Familie… Und dann? Aus den Augen – aus dem Sinn? Egal – Hauptsache trendy!

    14. Streetworker Says:
      März 8th, 2010 at 12:39

      “AUS DEN AUGEN – AUS DEM SINN”, das scheint der sich schnell als Bumerang erweisende Grund- und Kerngedanke hinter dieser vertreibungsambitionierten Biederbürgerfassadenfront zu sein, die Kranke ausgrenzen, abschieben und geradezu ghettoisieren will, damit der der eigene Nachwuchs sich ebenso wenig wie man selbst mit den ausgeprägten Schwachstellen bundesdeutscher Drogenpolitik befassen muss.”

      Ja, warum nicht? Wer sich selbst nicht befiehlt, dem wird befohlen. (frei nach Nietzsches Zarathustra)

      Hätten die Drogenabhängigen eine ausreichende Impulskontrolle, wären sie wohl nicht drogenabhängig. Da diese nicht ausreichend vorhanden ist, müssen andere (modern: die Stakeholder) mitdenken und -handeln.

      Lieber gehen 100 Junkies 100 km als das ein Kind wegen Spritzenunfällen diese nicht mehr frohgemut gehen kann.

      Warum sollen sich kinderreiche Gegenden mit den Schwachstellen der Drogenpolitik befassen? Hierfür sind die Politiker zuständig, denn die Erziehenden sorgen schon für die Rentenzahler von übermorgen und haben alleine ob des durch Kinder erhöhten Armutsrisikos genug zu schaffen.

      Ich finds ja toll, wie mitfühlend und sozialpädagogisch ambitioniert hier einer Ghettoisierung der Drogenabhängigen vorgebeugt werden soll, aber Problem sind die Drogenabhängigen und nicht die, die mit den Nebenfolgen nix zu tun haben wollen. Den Drogies soll geholfen werden, aber nicht an den Stellen, wo andere, insbesondere Kinder (z.B. durch herumliegende Spritzen) gefährdet werden. Und das Drogenabhängige häufig nicht die Verantwortung übernehmen für deren Umfeld ist ebenso evident wie dass sie nicht die Verantwortung für sich übernehmen. Eine Drogenambulanz mag da zwar ein erster Schritt in eine schrittweise Normalisierung der Lebensverhältnisse sein, aber erst ein erster, denn sonst wären die schon clean.

      Es ist schon grotesk, Drogen(substitution) in Wohngebieten anzubieten bzw. befürworten. Notwendige Bedingung hierfür wäre zumindest einer, der daran gut verdient. So zumindest der Arzt.

    15. Uwe Frosch Says:
      März 8th, 2010 at 14:09

      Mein Name ist Uwe Frosch. Mit meiner Familie wohne ich im Haus Poppelsdorfer Allee 56. Ich bin Partner der Rechtsanwaltskanzlei Görgen & Frosch in Andernach.

      Gestatten Sie mir bitte folgende Anmerkungen:

      Herr Dr. Lichtermann tritt dem Widerstand im Wesentlichen mit der Behauptung entgegen, die gegen seine Patienten geäußerten Befürchtungen träfen nicht zu. Eine Gefährdung durch seine Patienten könne er sicher ausschließen. Im Übrigen seien die befürchteten Gefahren völlig übertrieben (1).
      Es würde verkannt, dass seine Patienten ganz normale Bürger seien. Sie hätten ebenso wie alle anderen ein Teilhaberecht an der Poppelsdorfer Allee. Man dürfe sie nicht stigmatisieren und ausgrenzen (2).
      Schließlich würde durch die von ihm betriebene Praxis die Drogenszene verkleinert und die Beschaffungskriminalität gehe zurück. Deshalb bestehe ein öffentliches Interesse am Betrieb der Praxis (3).

      Diese Darstellung ist zum einen falsch, zum anderen geht sie an der tatsächlichen Problematik vorbei.

      Im Einzelnen:

      1. Wenn Herr Dr. Lichtermann behauptet, von einer Substitutionspraxis gehe weder eine Be-lästigung für die Anwohner, noch gar eine Gefährdung aus, widerspricht das allen bisherigen Erfahrungen mit solchen Einrichtungen.

      a. So hatte beispielsweise das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht über einen ähn-lichen Falle zu entscheiden (BauR 2007, 1214 ff.). Auf Antrag einer Nachbarin hat das Gericht die zuvor erteilte Betriebserlaubnis kassiert.
      In der Entscheidungsbegründung heißt es, die von der Einrichtung ausgehenden Beläs-tigungen seien von der Antragstellerin „plastisch und nachvollziehbar“ wie folgt be-schrieben worden:

      • „Dealer und Junkies dealen vor der Eingangstür des Hauses [...].
      • […]
      • Fahrräder, die sie (die Antragstellerin) oder ihre Mieter auf ihrem Grundstück abstel-len, werden umgehend gestohlen,
      • durch die Menge der Heroinsüchtigen ist die Kriminalität angewachsen,
      • die Heroinsüchtigen verhindern ein freies betreten des Hauses durch Sitzen auf der Hauseingangsschwelle, Hierbei kommt es zum „Sonnenbaden“ auf dem Fußweg oder dem Grundstück der Antragstellerin, zum längeren sitzen auf dem Fußweg oder dem Grundstück der Antragstellerin sowie zu längeren Gesprächen, die teilweise sehr laut-stark geführt werden, teilweise wird dabei auch gegessen und Alkohohl getrunken,
      • die Heroinsüchtigen blockieren den Hauseingang durch unmittelbares Davorstehen, allein, zu zweit und in Gruppen,
      • die Heroinsüchtigen lassen sich auf der Treppe […] nieder, rauchen und trinken Do-senbier, sie lassen Unrat und Abfall zurück,
      • […]
      • Die Heroinsüchtigen füttern ihre Hunde, indem sie Futter auf den Gehweg vor den Häusern werfen,
      • Lärmbelästigung erfolgt teilweise frühmorgens durch die Heroinsüchtigen, wenn sie ihr Methadon abholen,
      • ein Öffnen der Fenster […] ist wegen der Lärmbelästigung oft nicht mehr möglich,
      • die Heroinsüchtigen spritzen sich das Rauschgift in ihrem Garten (gemeint ist der Garten der Antragstellerin) und lassen ihre Spritzen sowie zerschnittene Getränkedo-sen, die als Heroinkocher dienen, im Garten zurück,
      • gebrauchte Heroinspritzen werden in ihren Garten geworfen
      • die Heroinsüchtigen beschimpfen sie (die Antragstellerin) und ihre Mieter beleidigend und mit Drohgebärden kombiniert, wenn sie beobachtet werden,
      • […] gibt es offenbar niemanden, der den immensen Dreck, d.h. Getränkedosen, Flachmänner, Zigarettenkippen der Heroinsüchtigen von ihrem Grundstück sowie dem Nachbargrundstück entfernt,
      • […]

      Diese vorgetragenen Beeinträchtigungen sind mehr oder weniger unstreitig.“

      b. Vorstehende Schilderung ist kein Einzelfall. Sie wird bestätigt durch die in der Ver-sammlung von Herrn Kollegen Kleppi geschilderten Beobachtungen aus seinem Haus und von dem Anwohner der Lessingstraße, wo sich ebenfalls zeitweise eine Abgabestelle be-fand.

      c. Herr Dr. Lichtermann kann nicht nachvollziehbar erläutern, warum bei seiner Praxis andere Verhältnisse gelten sollen. Vielmehr hat er sich bislang sowohl hinsichtlich seiner Praxis in der Cassiusbastei, als auch der Poppelsdorfer Allee auf schlichtes Bestreiten be-schränkt. Es mag zwar sein, dass in einem Zivilprozeß kaum der Nachweis geführt werden kann, dass eine weggeworfene Spritze oder ein Tupfer im Aufzug von einem Patienten Herrn Dr. Lichtermanns stammen; darauf kommt es hier aber nicht an. Denn spätestens wenn die oben vom OVG Niedersachsen geschilderten Zustände in der Poppelsdorfer Al-lee herrschen, bedarf es der Einzelbeweisführung nicht mehr (dazu unten 4. mehr).

      Hernn Dr. Lichtermann dürfte auch bewusst sein, welche zwangsläufigen Auswirkungen der Praxisbetrieb hat. Denn ansonsten hätte er, nachdem er auf der Bürgerversammlung zunächst mit Nachdruck jedwede Belästigung oder Gefährdung ausgeschlossen hat, ja auf Nachfrage das -rhetorisch geschickt- sogar garantieren wollte, nicht einen Rückzieher ge-macht, als ihm vertragstrafenbewehrte Vereinbarungen mit seinen Nachbarn angeboten wurden.

      d. Die bestehenden Befürchtungen sind auch nicht zahlenmäßig übertrieben. Wenn Herr Dr. Lichtermann in seinem hiesigen Beitrag vom 6.3.2010 von „nur“ 60 drogenauffälligen Szeneangehörigen spricht, darf das schon bezweifelt werden. Aber selbst wenn diese Zahl stimmen würde, wäre sie mehr als ausreichend, um die oben geschilderten Zustände dau-erhaft zu installieren.

      Die Erfahrungen des zitierten Anwohners aus der Lessingstraße bestätigen das. Er sprach von rund 50 Personen, die im Laufe des Vormittages sich dauerhaft vor der Praxis einrich-teten, zum Beispiel um auf Bekannte oder auf die eigene Methadonzuteilung zu warteten. Auch die von ihm geschilderten Belästigungen entsprechen der Darstellung des OVG Niedersachsens und den Beobachtungen Herrn Kollege Kleppis.

      e. Festzuhalten bleibt, dass durch den Betrieb einer Substitutionspraxis nach allen Erfah-rungen mit einer erheblichen Beeinträchtigung und auch Gefährdung der Anwohner zu rechnen ist. Nichts anderes gilt für die Poppelsdorfer Allee.

      2. Die Argumentation Herrn Dr. Lichtermanns, bei seinem Patienten handele es sich um voll-integrierte Berufstätige, die wie jeder andere an der Schönheit der Poppelsdorfer Allee teilha-ben dürften, ist ein Totschlagargument. Es geht an der Sache vorbei.

      Denn es geht weder darum, Drogenabhängige zu stigmatisieren, noch sie auszugrenzen oder zu ghettoisieren. Herr. Dr. Lichtermann verkennt, dass es seinen Patienten unbenommen bleibt, sich wie jeder andere auf der Poppelsdorfer Allee zu bewegen. Wie jeder andere hat er aber dafür zu sorgen, dass seine Mitbürger von ihm nicht belästigt oder gefährdet werden. Weil das eben –zumindest bei einem Teil der Patienten- nicht der Fall ist (siehe oben 1.), ist die von Herrn Dr. Lichtermann beantragte besondere Nutzung nicht genehmigungsfähig.

      3. Dem steht auch nicht entgegen, dass der Betrieb einer Substitutionspraxis im öffentlichen Interesse stehe, weil dadurch die Drogenszene insgesamt verkleinert werde und die Beschaf-fungskriminalität zurück gehe.

      a. Die Therapiewirksamkeit von Methadon ist bekanntlich keineswegs unumstritten. Auch wenn hier immer wieder bestritten wird, dass die Methadonpatienten zusätzlich andere Drogen nehmen, ist das eine inzwischen feststehende Tatsache, die in Fach-kreisen auch nicht ernsthaft in Frage gestellt wird. Alles andere ist Augenwischerei.

      b. Aber selbst wenn die Drogenszene verkleinert und die Beschaffungskriminalität zu-rückginge, würde das nur absolut, nicht aber spezifisch vor Ort gelten. Denn hier käme es zu einer Konzentration, auf oben 1. weise ich nochmals hin.

      4. Abschließend noch folgendes:
      Es ist sicher nachvollziehbar, dass Herr Dr. Lichtermann seine Praxis irgendwo ausüben möchte. Es wird ihm sicher auch klar sein –nicht zuletzt nach den Erfahrungen, die Kollegen von ihm und er selbst in der Cassiusbastei gemacht haben- dass es gegen eine Substitutions-praxis in Nachbarschaft und Verwaltung Widerstände gibt. Da lag der Gedanke nah, aus der grundgesetzlich geschützten Eigentümerposition im eigenen Haus zu operieren. Allerdings geht der Schutz des Eigentums nicht soweit, dass damit das Eigentum anderer beeinträchtigt werden darf. Insoweit ist jedem Betroffenen, sei er Mieter oder Eigentümer, im Falle einer verwaltungsrechtlichen Genehmigung zu empfehlen, ggf. zivilrechtlich vorzugehen. Für die Auswirkungen seines Praxisbetriebes haftet der Praxisbetreiber als Störer. Auf BGH, NJW 2000, 2901 wird verwiesen.

      U. Frosch, RA
      http://www.goergen-frosch.de

    16. Wissend Says:
      März 8th, 2010 at 14:41

      Hallo zusammen,

      auch ich habe Erfahrungen gesammelt und muss sagen, dass es ebenso in der ehe. Adresse zu Zwischenfällen kam.
      Diese hier darzulegen wäre nicht richtig, jedoch war man auf der Strasse dort ebenso den Launen der zu Substituierenden ausgesetzt wie in der Praxis selbst. Herr L. ist was Rücksicht anbelangt nicht auf der seite der Bürger und Bürgerinnen, da es ja um sein Geld geht. Dies ist mal wieder, neben der “Hilfe” Grund uno.
      Des weiteren wird hier nur versucht zu beschönigen. Eine Praxis an einem anderen Standort wäre genauso denkbar.

      Zu oben: Ich stand schon mehrfach mit meinen PKW in der Umgebung der alten Praxis und wurde mehrfach recht heftig angegangen seitens des Klientels.
      Nicht jeder, dass mag ich sagen, aber doch einige haben ein hohes Aggressionspotential.

      Gruss

    17. Patient ehe. Says:
      März 8th, 2010 at 15:32

      Säuglinge in der Praxis sagt ja bereits alles, oder?

    18. Patient ehe. Says:
      März 8th, 2010 at 16:08

      wie bereits angegeben, ein ehe. Patient.
      Nun: Was ich noch zu berichten weiss, ist das im Jahr 2008 / 2009 teils nur eine Sozialarbeiterin für 100 und mehr Patienten zuständig war. Und dies ist glaub ich auch nicht normal.

    19. D. Lichtermann Says:
      März 9th, 2010 at 09:16

      Sehr geehrter Herr Frosch,

      so klar Ihre Ausführungen auch gegliedert sind, so sehr sitzen Sie doch dem alten Denkfehler “non sequitur” auf: wenn zwei Autofahrer, schuldhaft oder nicht, gegen zwei Laternenmasten in der Poppelsdorfer Allee gefahren wären, dann würde man wohl kaum daraus schließen, dass das Autofahren dort (oder gar grundsätzlich überall?!) zu gefährlich sei und die Straße für den Autoverkehr gesperrt werden müsste. Wenn also in einer Drogenberatungsstelle in Niedersachsen die von Ihnen aufgeführten Missstände aufgetreten sind, dann folgt daraus noch lange nicht, dass diese eine regelmäßiges Problem aller solcher Einrichtungen seien. So beeindruckend das “Sündenregister” der Besucher der Drogenberatungsstelle aus dem niedersächsischen Urteil auch aussieht; solche Zustände hat es vor keiner der Bonner Behandlungseinrichtungen jemals gegeben, und das schließt auch den nunmehr 6 1/2-jährigen Betrieb meiner Praxis mit ein. Das angeführte Urteil ist insofern auch gar nicht einschlägig, da im Genehmigungsverfahren nicht unterstellt werden kann, dass es zu solchen Problemen kommen wird. Ganz im Gegenteil, die Norm ist: “Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es im Umfeld solcher Einrichtungen keine Probleme gibt”; so auch die Stadt Bonn im Generalanzeiger Bonn vom 26.09.2009. Entsprechend haben sich auch die im Oktober 2009 gegen die dortige neue Ambulanz gehegten gleichartigen Vorbehalte der Bürger in Duisdorf seither nicht bestätigt, und ein letzter kritischer Bürgerantrag hierzu wurde am 04.02.2010 einmütig von allen Fraktionen höflich, aber bestimmt zurückgewiesen. Vorbildlich finde ich das dortige Bemühen aller Beteiligten, im engen Kontakt miteinander gemeinsam darauf zu achten, dass Probleme während des Betriebs der Ambulanz auch gar nicht erst im Ansatz aufkommen – eine gelebte Ordnungspartnerschaft. Das setzt aber auch die intellektuelle Redlichkeit voraus, nicht jedwede, auch schon vorher bestehende, weil dem allgemeinen innerstädtischen Lebensrisiko unterliegende Problematik der jeweiligen Einrichtung zuzuschreiben (ein anderer Denkfehler), sonst landen wir schnell dort, dass auch für jeden Hundehaufen, Falschparker o.ä. immer “die Praxis” verantwortlich gemacht würde. Natürlich lassen sich auch vorbestehende Probleme in einer solchen Ordnungspartnerschaft mit Anwohnern (deren ich ja auch einer bin), Polizei und Ordnungsamt bestens angehen.

      Mit freundlichen Grüßen

      D. Lichtermann

    20. U. Frosch Says:
      März 9th, 2010 at 15:35

      Sehr geehrter Herr Dr. Lichtermann,

      der von Ihnen unterstellte Denkfehler liegt nur dann vor, wenn sich aus einer Prämisse die Schlussfolgerung nicht ableiten lässt. Aber genau das ist hier der Fall. Auch wenn Sie es immer und immer wieder bestreiten, lehrt die Erfahrung sehr wohl, dass von Einrichtungen wie der Ihren die geschilderten Belästigungen und Gefahren ausgehen. Nicht nur in Niedersachsen. Sondern auch in Bonn.
      Nochmals: Schlichtes Bestreiten mag auf der politischen Diskussionsbühne genügen, spätestens vor Gericht nicht mehr.

      Ihre Rechtsansicht, im Genehmigungsverfahren dürfe nicht unterstellt werden, dass es zu Problemen kommen könne, ist schlicht falsch. Selbstverständlich hat die Verwaltung bei ihrer Entscheidungsfindung gerade auch solche Problemlagen zu prüfen und in ihr Ermessen einfließen zu lassen. Die Ihren Antrag ablehnende Beschlußvorlage des Bauamtes dürfte auch Ihnen bekannt sein.

      Wenn Sie schließlich den Eindruck zu erwecken suchen, bei den von Substitutionspraxen ausgehenden Immissionen handele es sich um allgemeine, schon vorher (vor was?) bestehende allgemeine innerstädtische Lebensrisiken wie Falschparker und Hundehaufen ist das lediglich der erneute, aber immer noch untaugliche Versuch der Bagatellisierung. Eine Substitutionspraxis ist kein Hundehaufen, Methadonpatienten sind keine Falschparker.

      Mit freundlichen Grüßen

      U. Frosch
      Rechtsanwalt
      http://www.goergen-frosch.de

    21. D. Lichtermann Says:
      März 9th, 2010 at 19:35

      Sehr geehrter Herr Frosch,

      der Denkfehler liegt leider schon vor, wenn sich die Schlussfolgerung nicht ZWINGEND aus der Prämisse ergibt. Genau das wird aber von Ihrer Seite stets behauptet: Substitutionsbehandlung müsse zwangsläufig mit Szenebildung in direkter Nähe, herumliegenden Spritzen usw. einhergehen, und das ist offenkundig nicht der Fall (sonst müsste das ja in der Nähe aller entsprechenden, auch nicht nur der Bonner Behandlungseinrichtungen der Fall sein).
      Diese verkürzte Denkweise zeigt sich auch in Ihren letzten beiden Sätzen: während Sie sprunghaft annehmen, dass ich bei meiner Erwähnung von Hundehaufen oder Falschparkern an entsprechende Immissionen einer Substitutionspraxis gedacht haben müsse, hatte ich diese eigentlich nur als Beispiel benannt für Störungen, die für eine solche sicher gerade nicht spezifisch sind (aber nicht den angstbesetzten Gehalt der symbolischen Spritze haben, mit der hier immer Emotionen geschürt werden sollen). Ich erinnere nur an die Vertreterin des Kindergartens, die in der Sitzung der Bürgerinitiative besagte Hundehaufen als Problem auf der Rasenfläche schilderte (und nicht Spritzen, die sie bislang nie gesehen hatte).

      Mit freundlichen Grüßen

      D. Lichtermann

    22. Schöller Says:
      März 9th, 2010 at 22:55

      Liebe Retter der Poppelsdorfer Allee!

      Seit einiger Zeit verfolge ich mit großem Interesse alle gut und schlecht gemeinten Versuche zur Rettung einer der schönsten Straßenzüge Bonns. Selbst habe ich einige Jahre in dieser schönen Allee gewohnt und festgestellt, dass Bonner Bürger aller sozialen Schichten dort Erholung suchen.
      Die kritischen, teilweise sehr diskriminierenden Äußerungen gegen Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen scheinen überwiegend angstmotiviert.

      Erstaunt bin ich jedoch über die immer wieder geäußerten Vorwürfe gegen den Arzt, dass er mit seiner Arbeit Geld verdienen wolle. Mein Eindruck ist, dass sämtliche Bewohner der Poppelsdorfer Alle mit Arbeit Geld verdienen – und sicher nicht nur auskömmlich, sondern vermögensbildend – oder ist das Vermögen der Bewohner / Eigentümer nur geerbt?!?

      Gruß
      Schöller

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